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Malteser Mindelheim

Menschen brauchen Menschen: Tag der Kinder- und Jugenhospizarbeit

Kinder- und Jugendhospizarbeit in der Corona-Krise steht vor großen Herausforderungen

09.02.2021
Malteser Köln Kinder- und Jugendhospizarbeit

Die Malteser der Diözese Augsburg bieten in Dillingen, Günzburg und Neu-Ulm einen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst an. Dieser umfasst die Unterstützung der Familien ab Diagnosestellung und deren individuellen Bedürfnissen und Wünschen und möchte zu einer möglichst hohen Lebensqualität und sozialen Integration für alle beitragen. Diese kann über die gesamte Lebens-, Sterbe- und Trauerphase und dadurch mehrere Jahre dauern. Dabei ist es uns wichtig, den Respekt vor dem intimen Lebensraum einer Familie zu wahren, die Ressourcen zu stärken und Beständigkeit zu vermitteln.

Wenn ein Kind oder Jugendlicher unheilbar erkrankt ist, kennen Familien die Gefühle von Wut, Ohnmacht, verzweifeltem Kampf, Hoffen und Bangen, Mut und Trauer. Die Diagnose ändert alles: Lebensalltag, Lebensperspektive und Lebenssinn. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war und alles wächst einem über den Kopf. Die Betreuung eines schwerkranken Kindes oder Jugendlichen bringt Eltern oft an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit. Mit dem ersten Lockdown zu Beginn der Corona-Krise war dann plötzlich alles noch extremer. Was passiert, wenn man mit FFP2 Maske, Handschuhen und Schutzkittel zu Familien kommt, die ohnehin in einer Ausnahmesituation sind? Der natürliche, empathische Umgang findet reduziert, distanziert statt. „Das, was notwendig ist, ein distanzloser, natürlicher menschlicher Umgang geht plötzlich nicht mehr: Im Kinder- und Jugendhospiz haben wir es mit einer Risikogruppe zu tun. Die Familienbegleitung im direkten Kontakt war nicht mehr möglich“, stellt Sylvia-Maria Braunwarth, Koordinatorin des Kinder- und Jugendhospizdienstes der Malteser, fest.

Das Nahbare und der unkomplizierte Kontakt zu den Kindern war plötzlich weg.

Ohnehin eingeschränkt durch krankheitsbedingte Immobilität und/oder immungeschwächter Lage, war das nun die maximale Isolation für die Familien. Familienbegleitung im direkten Kontakt haben wir ausschließlich in Notfällen gemacht, was die Familien akzeptierten und einige reagierten sogar mit Erleichterung. Um die Familien etwas zu entlasten, haben wir mehr in der Organisation bei Anträgen, Gutachten etc. geholfen. Enger Telefonkontakt mit Familienangehörigen und auch manchen Erkrankten, wenn dies möglich war, wurde durch unsere ehrenamtlichen Hospizhelfer wöchentlich geleistet. Um den Kontakt nach außen zu reduzieren, wurde auch eine Einkaufshilfe angeboten. Es galt nun Bewältigungsstrategien zu entwickeln, ein Gefüge aufrechtzuerhalten. Die Begleitung der Trauergruppen von Kindern und verwitweten Familienmitgliedern war eine der Herausforderung. Kinder im Alter von 6-10 Jahren brauchen eine Gruppe, um ihre Trauer zu bewältigen. Nun finden nur noch Einzelgespräche statt.
Wir waren Unterstützer und entlastendes Element für die betroffenen Familien – nun sind wir auch eine potenzielle Gefahr.

 

Trotzdem wissen wir um den engen Zusammenhalt, sowohl bei den ehrenamtlichen Helfern als auch bei den zu betreuenden Familien. Es müssen aber Situationen möglich sein, wie in einem Notfall, dass wir trotz Corona da sind. Und das sind wir!

 

Highlights waren, dass die Ausbildung unserer Ehrenamtlichen im Juni 2020 zum Ende gebracht werden konnte. Mit einem Fest im Freien mit Ballonkünstler Tobi van Deißen und Pizza war es sogar möglich, die Kindertrauergruppe im Sommer abzuschließen. „Von unserem Treffen mit all unseren Ehrenamtlichen unter Einhaltung der damaligen Hygienestandards zehren wir noch heute und freuen uns sehr auf eine Wiederholung! Ein neues Projekt „Wind in der Mähne“ haben wir auch auf die Beine gestellt“, so Braunwarth mit Blick in die Zukunft.

 

Kinder- und Jugendhospizarbeit: Eines war und ist ganz klar: Wir sind füreinander da. Dieser Dienst lebt von der Nähe!

 

Malteser. Mitwirken. Aktiv werden.

 

Weitere Informationen

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